Wichtige Personen : Adolf Hitlers Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl

Adolf Hitlers Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl

EUR 16,90


Zentner öffnet die Augen, wo man sonst darüberlesen würde - Erstaunlich, wie genau Hitler seine Vorstellung von Erziehung, Schule, Propaganda, von Rassenreinheit, Judenhass und Lebensraum im Osten dargelegt hat. Wie er seine eigene Jugend und frühe Adoleszenz verbrämt hat und in seiner eigenen Biographie gelogen hat. Die Originalzitate aus Mein Kampf sind allerdings auf Dauer schwer zu lesen, nach einigen Seiten hat man genug von Rassenreinheit, völkischer Einheit und Deutschtum. Was heute - Gott seis gedankt - niemanden mehr hinter dem Ofen hervorholt (ich wills zumindest hoffen!), war damals ein echter Renner. Wie war das Denken der Menschen damals, jener, die solches von sich gaben in der Überzeugung, damit zum Ziel zu kommen und jene, bei denen sie damit tatsächlich zum Ziel kamen? Erschütternd die Beispiele, in denen Zentner zum Schluss des Buches Hitlers Vorhaben aus Mein Kampf den tatsächlichen Geschehnissen gegenüberstellt: nicht nur der Kriegsbeginn und der Weg dorthin, sondern und vor allem die Judenvernich-tung, die Endlösung, die er anhand zweier Augenzeugenberichte menschlich berührend und gleichzeitig entsetzlich bestialisch darstellt. Dieses Buch zu lesen, war alles andere als ein Vergnügen, aber es war notwendig, es zu tun. Christian Zentner ist ein sehr kompetenter Führer durch diese Materie. Gerne fünf Sterne.

info zur rechtslage - Ich möchte an dieser Stelle nicht auf das Buch als solches eingehen, sondern auf einen Fehler in den anderen Rezensionen hinweisen: Mein Kampf ist in der BRD nicht verboten. Der Besitz des Buches ist ebenso legal wie der Verkauf einzelner antiquarischer Exemplare. Verboten ist lediglich der unkommentierte Nachdruck und Raubkopien, wie zum Beispiel pdfs des Oroginaldokuments im Internet. Gegen Nachdrucke und Raubkopien geht der Freistaat Bayern als Träger des Urheberrechtes juristisch vor. Der Mythos Mein Kampf sei in der BRD verboten bzw. zensiert wird hauptsächlich von der extremen Rechten geschürt. Ziel ist es, die BRD als undemokratischen Zensurstaat zu diskreditieren. Ich persönlich rate dennoch zur Lektüre der kommentierten Ausgaben, da sie den Text in einen breiteren Kontext stellen und Hintergrundinformationen liefern. Beurteilt man Mein Kampf als von der historischen Bedeutung entkoppelten Text, ist er tatsächlich sehr müßig.

Vergangenheitsbewältigung - Das Verbotene hat immer schon gelockt, Eva war zwar die Erste, aber bestimmt nicht der oder die Letzte. Damit ist höchstwarscheinlich auch der Grund der Faszination so mancher zu Herrn H s Buch dargestellt. Daß es für Deutschen dazu noch ein Problem der Vergangenheitsbewältigung dastellt sei akzeptiert und auch respektiert. Vielen Jahren hat auch mich das Buch fasziniert bloß weil es verboten. Was würde da wohl drinstehen... In zwielichtigem Ort (dem damals noch existierenden Thulenetz) wurde ich fündig und erschüttert: so ein langweiliger und schlecht formulierter Mist. Euer damaliger Bundespräsident Heuß hatte Recht: Mein Kampf (mit oder ohne Kommentar) ist Pflichtlektüre im Schulprogramm. Eine bessere Abschreckung von NS oder Neonazismus kann man sich nicht denken. Die Lektüre vom Original hatte mich schon genesen, diese kommentierte Ausgabe hat dies nicht geändert, höchstens vermißt man die furchtbare Langwierigkeit, insbesondere vom 2. Teil und der schon erwähnte katastrofale Stil. Hoffentlich waren die malerische Fähigkeiten des Autors besser.Sie mögen zum Schluß bitteschön Grammatikfehler oder Stilverstöße eines geburtigen Nierderländers verzeihen...

Entzaubert den Mythos Hitler - Sollte man „Mein Kampf im Original der deutschen Öffentlichkeit zugänglich machen oder es weiterhin verbieten? Ich tendiere dazu es jedem Deutschen zum Lesen zu geben. Der Theaterprovokateur Christoph Schlingensief meinte, daß man es die Leute lesen lassen sollte. Mit der Zeit würde sich dann alle Begeisterung für den Nationalsozialismus abnutzen. So sehe ich das auch. Statt dessen wirkt das Buch durch das Verbot interessanter und geheimnisvoller als es tatsächlich ist. Und Verbote machen Dinge eh immer nur noch interessanter. Ich war sehr neugierig auf Hitlers Wälzer. Nachdem ich diese kommentierte Fassung gelesen habe, weiß ich alles was ich wissen wollte. Im viele Hundert Seiten langen Original steht natürlich noch viel mehr, aber Christian Zentner hat alles wesentliche wiedergegeben. Und er hat im Gensatz zu Hitler ein wissenschaftlich fundiertes Buch, inklusive Quellenangaben, geschrieben. Was steht in „Mein Kampf? Erstaunlich wenig:1) Deutschland hat nach Hitlers Meinung zwei Möglichkeiten um zu überleben. Entweder behauptet es sich durch wirtschaftliche Macht oder es erobert mit militärischen Mitteln andere Länder. Für Hitler ist nur der Krieg eine ernsthafte Option. 2) Die Juden müssen vernichtet werden. Warum habe ich allerdings nicht verstanden.3) Als Politiker muß man gut reden können, dann kann man dem tumben Volk alles einreden und es dazu bringen einem zu folgen.Das war s dann auch schon. Der Nationalsozialismus nutze die Mittel der modernen Technik (Rundfunk, Fernsehen, Panzer, Flugzeuge etc.) um einen Staat zu errichten, in dem Frauen lediglich zum Kinder gebären und Männer zum Krieg führen und Felder beackern da sind. Ich verstehe ernsthaft nicht warum dieses Buch verboten ist. Wenn man es liest wird Hitler gänzlich entzaubert. Er war kein Monster mit Pferdefuß, sondern ein Realschüler aus kleinbürgerlichen Haus, der gerne Künstler geworden wäre und ein talentierter Redner war. Goebbels, Riefenstahl und andere machten aus dem Durchschnittstypen Hitler einen mystischen, sagenumwobenen Helden, Erlöser und Superstar. Dieses Buches hingegen zeigt Hitler wie er wirklich war. Leidlich gebildet, verträumt und voller Stammtischideen für Deutschland. Wer etwas über „Mein Kampf wissen will sollte dieses Buch lesen. Das ist schnell erledigt. Anschließend kann man sich dann sinnvolleren Dingen widmen. Und die Lösung für die Zukunft Deutschlands liegt ganz sicher nicht in dem Buch das der Mann geschrieben hat, der Deutschland mehr Schaden zugefügt hat als je ein anderer.

auswahlprobleme - Soweit ich weiß, war es Theodor Heuss, der sagte, daß die beste Methode, um die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes zu verhindern, die reichliche Lektüre von Mein Kampf sei.Daß in Deutschland nur eine Auswahl erscheinen kann, liegt daran, daß nach wie vor der Freistaat Bayern die Urheberrechte innne hat und sich gegen die komplette Edition sperrt.Die Auswahl der vorliegenden Ausgabe leuchtet bei weitem nicht immer ein, der langatmige Charakter insbesondere des zweiten Bandes des Originals kommt nicht zum Ausdruck. Für den Historiker, der sich mit dem Quellenmaterial auseinandersetzen will, ist es deutlich zu wenig. Für die umfassende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hitler wird der Historiker nach wie vor auf das ungekürzte Original angewiesen sein. Die zuweilen altklugen Kommentare empfinde ich (trotz vieler richtiger und anregender Bemerkungen) mitunter als störend - das Werk spricht eigentlich für sich selbst. Dennoch ist zu würdigen, daß es ja nicht die Absicht des Autors ist, dem Historiker neues zu sagen (denn der hätte ja bei Bedarf Zugang zum Original), sondern in einer verantwortungsvollen Auswahl für eine Auseinandersetzung auf breiterer Ebene zu sorgen. Die Nachteile der Auswahl sind daher gleichzeitig seine Vorteile. Mit gemischten Gefühlen gebe ich daher drei Sterne - sowohl die Verdienste wie die Probleme der Ausgabe anerkennend.




Adolf Hitlers Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl