
So sollte Geschichte geschrieben werden - Man möchte glauben, dass es nach Joachim C. Fests Hitler kaum noch offene Fragen zum Thema geben kann. Noch dazu in so kurzer und prägnanter Form. Haffner verliert sich nicht in historischen Details, sondern beschreibt und beurteilt Hitler aus den verschiedenen, noch immer wenig genutzten Blickwinkeln Leben, Leistungen, Erfolge, Irrtümer, Fehler, Verbrechen und Verrat.Sachlich unvoreingenommen filetiert er Aufstieg und Untergang Hitlers nach diesen Gesichtspunkten, wobei einige scheinbare Erkenntnisse auf ein neues Fundament gestellt werden: Hitler war kein Sozialist, weil er nicht im marxschen Sinne die Sozialisierung der Produktionsmittel wollte, er hat aber die Menschen sozialisiert, kollektiviert und Haffner fragt, ob das nicht trotz Marx, die wichtigere Seite des Sozialismus ist (47). Nichts sei irreführender, als Hitler einen Faschisten zu nennen (71). Vergleiche mit Napoleon oder Bismarck lassen erkennen, was Hitler nie war: ein Staatsmann (56).Alle großen Erfolge Hitlers waren nicht seine eigene Leistung, sondern die Folge der Schwäche seiner Gegner: jene der frühen Weimarer Republik, die frühen Dreißigerjahre mit Hitlers Aufstieg, die Appeasement-Politik der Westmächte, Frankreichs schneller Untergang - alles war die Schwäche der anderen, die Hitler zu nutzen verstand (61 ff). Haffner ist weit von der Gefahr entfernt, mißverstanden zu werden: zu eindeutig sind seine Analysen, zu sachlich und emotionslos sein Zugang. Er widerlegt auch die Mär vom nötigen Lebensraum als unsinnig für Industriestaaten (104) sowie die krausen Theorien des revisionistischen Historikers David Irving. Er entlarvt Hitlers Weltbild als vom Rassenwahn geprägt (92 f), besonders in den letzen beiden Kapiteln Verbrechen und Verrat spricht Haffner Dinge an, die sich auch bei Joachim C. Fest so nicht finden: Dass der multiple Genozid schon ab etwa 1942 Hitlers allervorrangigstes Ziel war, weil Krieg auch für ihn schon verloren galt. Eine Folge dieser Erkenntnis war die Kriegserklärung an Amerika. Deutschland sollte, wenn es schon sein musste, ganz und gar zugrunde gehen: die Völkermorde bedeuteten - seinem Wahn entsprechend - sein wichtigstes Ziel, gleichzeitig aber auch die Unmöglichkeit für Deutschland, sich einen halbwegs ehrenhaften Frieden zu sichern. In diesem Sinne sind auch die letzten Befehle Hitlers, die sogenannten Nerobefehle zu verstehen. Noch nirgens habe ich in dieser Klarheit gefunden, was mir selber bisher unvorstellbar erschien: dass ein politischer Führer für sein eigenes Land absichtlich, bewußt und mit aller Kraft die größtmögliche und nachhaltigste Vernichtung angestrebt hat.
wichtig - ein grossartiges buch zu einem nie zu beendenden thema. es liegt in der natur der kürze, dass nicht alles ganz ausführlich dargestellt werden kann. und sicher ist manche these auch streitbar( zum beispiel zur frage des krieges in der entwicklung der völker, zur behauptung, solange es staaten gibt, gäbe es zwangsläufig auch kriege...) aber sehr gekonnt fasst der autor hier zusammen, was zu sagen ist zur person hitler, zu seiner stellung in der deutschen und weltgeschichte, in seinem verhältnis zu deutschland. da werden keine verbrechen außen vorgelassen, da werden sicher auch fragen aufgeworfen und überlegungen angestellt werden müssen. ein wichtiges buch, denn der schoß ist fruchtbar noch...
Geschichte pur - Ich hatte Geschichte Leistungskurs bei einem guten Lehrer, keine Frage. Aber so kompakt und ausführlich zugleich lernt man es nirgendwo. So muß Geschichte kommen!
Psychoanalyse über Hitler und sein Wirken auf die Deutschen - Zum Buch: es ließt sich gut und schnell, es ist leicht verständlich, da Haffner sich präzise und einleuchtend ausdrückt. Sein Stil ist originell. Er arbeitet viel mit Bildern und Metaphern, hat stets Vergleiche aus der Geschichte parat. Seinen Analysen über Hitlers Wirken auf die Deutschen muss man grundsätzlich zustimmen.Die Psyche Hitlers betreffend arbeitet er haupsächlich mit Thesen, die teilweise fragwürdig erscheinen.So behauptet er, Hitler wollte am Ende den totalen Untergang, da er den totalen Sieg nicht mehr erreichen konnte, Man weiß aber über Hitler, dass er noch in den letzten Tagen architektonische Pläne für deutsche Städte nach dem Endsieg entwarf und nicht mehr existierenden Armeen vom Führerbunker aus Befehle gab. Das lässt eher darauf schließen, dass Hitler psychisch erkrankt war, worauf Haffner leider so nicht eingeht.Trotzdem ist das Buch insgesamt sehr gelungen, das kleine Manko führt zu einem Stern Abzug.
Informativ, interessant, übersichtlich, spannend - so sollte ein Geschichtsbuch sein - In nicht mal 200 Seiten beschreibt Haffner den Aufstieg und Niedergang Hitlers. Dabei lässt der Autor es nicht aus, einen Blick auf Hitlers Persönlichkeit zu werfen. Neben geschichtlichen und politischen Daten und Ereignissen bekommt der Leser so den Eindruck, die wohl prägendste Person des 20. Jahrhunderts von Nahem zu betrachten.Den Leistungen Hitlers wurde ein eigenes Kapitel gewidmet. Haffner formuliert jedoch treffend: Leistung ist ein neutraler Begriff. Leistungen können entweder gut oder schlecht sein, nicht aber gut oder böse.